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Die schriftliche Prüfung

Das Prüfungsinstrument „schriftlich zu bearbeitende Aufgaben“ ist Bestandteil jeder beruflichen Prüfung. Hierbei handelt es sich um die Bearbeitung berufstypischer Aufgaben, die je nach Beruf sehr unterschiedlich gestaltet sein können. So kommen als schriftliche Aufgaben z.B. Einzelfragen, die Erstellung von Geschäftsbriefen, Stücklisten, Schaltplänen oder Bedienungsanleitungen in Betracht. 
 
Aufgabenarten

Checkliste

 

Aufgabenarten

Schriftliche Aufgaben können je nach Zielsetzung sehr unterschiedlich gestaltet werden. So bietet sich z.B. bei der der Ermittlung kommunikativer Kompetenzen eine andere Art der Aufgabenstellung an als bei Erfassung des Verständnisses für fachliche Zusammenhänge.
 

Aufgaben, bei denen die Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind, werden als gebundene (ehemals programmierte) Aufgaben bezeichnet.
 
Beispiele für Aufgabenarten(1) sind: 
 

  • Gebundene schriftliche Alternativantwort-Aufgaben
  • Gebundene schriftliche Mehrfachwahl-Aufgaben
  • Schriftliche Umordnungs-Aufgaben
  • Halboffene schriftliche Aufgaben
  • Offene schriftliche Aufgaben

 

Gebundene (früher: programmierte) schriftliche Alternativantwort-Aufgabe
 
Die Alternativantwort-Aufgabe ist der einfachste Typ der gebundenen schriftlichen Aufgabe. Es ist eine Entscheidung über die Korrektheit einer Aussage zu treffen. Antwortmöglichkeiten sind z.B. „Ja“-„Nein“, oder „Richtig“-„Falsch“. Diese Aufgabenart eignet sich zur Erfassung von Faktenwissen und Einschätzungen bei eindeutig zweistufig klassifizierbaren Informationen. Über Detailkenntnisse hinausgehende Wissensinhalte können nur sehr bedingt ermittelt werden. Erstellung, Bearbeitung und Korrektur beanspruchen wenig Zeit, allerdings liegt mit 50% die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, auch durch Raten die richtige Antwort zu treffen.
 

Gebundene schriftliche Mehrfachwahlaufgabe (Multiple-choice-Aufgabe)
 
Bei diesen Aufgaben werden den Prüfungsteilnehmern Antwortalternativen vorgegeben, aus denen sie eine Lösung auswählen müssen. Es gibt auch Varianten, bei denen mehrere der angegebenen Lösungen richtig sein können. Dabei kann dem Prüfling die Zahl der anzukreuzenden richtigen Lösungen bekannt gegeben werden oder auch nicht.
 

Schriftliche Umordnungsaufgabe
 

Hier handelt es sich um Aufgaben, bei denen die vorgegebenen Antworten in einen neuen Zusammenhang gebracht werden müssen, der sich aus der Problemstellung ergibt. Es gibt unterschiedliche Arten von Umordnungsaufgaben, z.B.:
 

  • Zuordnungsaufgaben: die Elemente aus einer Gruppe müssen den passenden Elementen einer anderen Gruppe zugeordnet werden
  • Reihenfolgeaufgaben: die vorgegebenen Elemente müssen in eine logische Abfolge gebracht werden
  • Vervollständigungsaufgaben: vorgegebene Worte, Zahlen, Symbole müssen einen Lückentext, eine unvollständige Berechnung etc. eingeordnet werden.
     

Halboffene schriftliche Aufgabe
 
Bei der halboffenen schriftlichen Aufgabe ist nur eine Lösung inhaltlich eindeutig richtig. Dem Prüfungsteilnehmer werden jedoch keine Antwortmöglichkeiten zur Auswahl vorgegeben, sondern er muss die Lösung selbst finden und formulieren. Die Antworten sind dabei in knapper Form anzugeben. Sie bestehen etwa in einer zu berechnenden Zahl oder der Auflistung von Arbeitsschritten.
 

Offene schriftliche Aufgabe
 
Offene schriftliche Aufgaben sind dadurch gekennzeichnet, dass der Prüfungsteilnehmer nach eigenem Ermessen die Antworten auf die ihm gestellten Aufgaben frei und in ausführlicher Form formulieren muss. Zu dieser Aufgabenart gehören (Kurz-)Aufsatz und Essay-Aufgaben, bei denen der Prüfling aufgefordert wird, einen längeren Text zu einem bestimmten Thema oder einen Brief (zum Teil nach Stichpunkten) zu verfassen. Zu den offenen schriftlichen Aufgaben zählen aber auch solche, bei denen die Antwort aus nur einem oder wenigen frei formulierten Sätzen besteht.
 
Bei offenen Aufgaben, die sich auf mathematische oder buchhalterische Fähigkeiten beziehen, sind z.B. vollständige Rechengänge darzustellen oder auch Skizzen zu erstellen.

 

Anmerkung

1 Diese Darstellung der Aufgabenarten ist in z.T. leicht abgeänderter Form der BIBB-Publikation „Prüfungsmethoden und Aufgabenarten“ von Margit Ebbinghaus und Jens U. Schmidt aus dem Jahr 1999 entnommen.

Checkliste zur schriftlichen Prüfung

Direkt vor der Prüfung:
 

  • Kontrolle der Prüfungsräumlichkeiten: Bestuhlung, Technik, Lärm, Beleuchtung, Erreichbarkeit der sanitären Einrichtungen, ggf. Lage des Vorbereitungsraumes usw.
  • Ggf. Festlegen der Sitzordnung der Prüflinge
  • Ggf. Vorbereitung von gestempelten Leerblättern zur Nutzung durch die Prüflinge
  • Bei genehmigtem Nachteilsausgleich für behinderte Prüflinge: Überprüfung zusätzlicher Räumlichkeiten, Vorhandensein beantragter Hilfsmittel usw.
  • Ggf. Hinweiszettel zu Prüfung an Tür/Wegweiser anbringen
  • Prüfen aller wichtigen Unterlagen auf Vollständigkeit
     

Zu Beginn der Prüfung:
 

  • Vorstellung der Aufsichtspersonen
  • Prüflinge um Namen und ggf. Identifikation bitten (Ausweispflicht)
  • Erläuterung des Prüfungsablaufs mit genauen Zeitangaben
  • Belehrung zu erlaubten Arbeits- und Hilfsmitteln
  • Hinweis auf das Handyverbot – ggf. Verwahrung des Mobiltelefons durch den Prüfungsausschuss für die Zeit der Prüfung
  • Belehrung hinsichtlich Ordnungswidrigkeiten und Täuschungsversuchen
  • Regelung zu Zwischenfragen und Toilettenbesuchen erläutern
  • Austeilen der Aufgaben – auf Vollständigkeit achten
  • Frage nach dem gesundheitlichen Zustand des Prüflings, um eine mögliche Prüfungsunfähigkeit auszuschließen
     

Während der Prüfung:
 

  • Störungen unterbinden
  • Ende der Bearbeitungszeit rechtzeitig ankündigen

 

Wichtig:

Sind an einem Tag ausschließlich schriftliche Prüfungsleistungen zu erbringen, soll die Dauer der Prüfung 300 Minuten nicht überschreiten.
 
Checkliste (PDF)