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Beispiel

Die gestreckte Abschluss- bzw. Gesellenprüfung (GAP)

Anstelle des „klassischen“ Modells von Zwischen- und Abschlussprüfung findet bei dieser Prüfungsstruktur nur noch eine Abschluss- bzw. Gesellenprüfung statt. Neu ist, dass die Abschluss- bzw. Gesellenprüfung aus zwei zeitlich voneinander getrennten Teilen besteht, deren Teilergebnisse nicht einzeln zertifiziert werden dürfen. D.h. Teil 1 der Prüfung darf nicht als eigenständige Prüfung angesehen werden. Der Vorteil ist, dass durch die Einführung zweier „Messzeitpunkte“ das punktuelle Prüfen von erworbenen Kompetenzen abgelöst wird. Diese neue Prüfungsstruktur wurde seit 2002 auf Basis von Erprobungsordnungen in ausgewählten Berufen auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Mittlerweile sind die Erprobungsordnungen zum größten Teil in Dauerrecht überführt worden. 
 

Aufbau
 
Der erste Teil der Prüfung sollte spätestens zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres durchgeführt werden. Das erreichte Ergebnis fließt je nach Ausbildungsordnung mit einer Gewichtung von 20 bis 40 Prozent in das Gesamtergebnis der Abschlussprüfung ein. Der erste Prüfungsteil kann nicht eigenständig wiederholt werden, da er ein Teil der Gesamtprüfung ist. Über seine Leistungen im Teil 1 der Prüfung wird der Prüfling informiert.
Der zweite Teil der Prüfung erfolgt am Ende der Ausbildungszeit. Das Gesamtergebnis der Abschlussprüfung setzt sich aus den Ergebnissen der beiden Teilprüfungen zusammen. 
 

Zulassung
 

Über die Zulassung zu beiden Teilen der Prüfung wird jeweils gesondert entschieden. Zulassungsvoraussetzung für den zweiten Teil ist in der Regel die Teilnahme am ersten Teil der Abschluss- bzw Gesellenprüfung (§44 BBiG, §36a HwO). 
 

Inhaltliche Ansätze
 

Inhaltlich gibt es bei der gestreckten Abschluss- bzw. Gesellenprüfung zwei strukturierende Ansätze. So wird beispielsweise bei den Laborberufen im ersten Teil der Prüfung ein Teilbereich der Ausbildung abschließend abgeprüft. Dieser Teil der Prüfung taucht nur dann erneut beim zweiten Teil der Prüfung auf, wenn er Bestandteil der vertiefenden Wahlqualifikation ist. Bei den Produktionsberufen hingegen erfolgen beide Prüfungsteile über die gesamte Breite der Ausbildungsinhalte. Teil 2 weist dabei eine höhere Komplexität der Aufgaben auf, und auch die Wahlqualifikationen werden hier abgeprüft.
 

Praxisbeispiel
 

Ein Beispiel für einen Ausbildungsberuf, in dem die gestreckte Abschlussprüfung erprobt wird, ist der Beruf Chemielaborant/in. Er folgt dem ersten inhaltlichen Ansatz und weist die folgende Prüfungsstruktur auf:

 

 

Teil 1 Teil 2
Praktischer Teil
(2 praktische
Aufgaben)
Schriftlicher Teil
(2 Prüfungsbereiche)
Praktischer Teil
(3 praktische Aufgaben)
Schriftlicher Teil
(3 Prüfungsbereiche)

Durchführen präp. Arbeiten (70%)
 
 

Charakt. von Produkten (30%)

Insgesamt
max. 7 h

Präparative Chemie
(max. 120 min, 80%)
 


Wirtschafts- und Sozialkunde (max. 30 min, 20%)

Auswahl von 3 aus 7
vorgegebenen
Aufgabengebieten
 

Insgesamt max. 7 h

Allg. und analyt. Chemie
(max. 120 min, 40%)
 
 

Wahlqualifikation
(max. 120 min, 40%)


Wirtschafts- und Sozialkunde
(max. 45 min, 20%)

Gewichtung
50 %

Gewichtung
50 %

Gewichtung
50 %

Gewichtung
50 %

Gewichtung Teil 1: 35%

Gewichtung Teil 2: 65%