Multiple-Choice-Verfahren

Urteilssammlung

  • Innerhalb einer Multiple-Choice-Klausur können Aufgabenkomplexe gebildet und dergestalt bewertet werden, dass nicht jede richtige Antwort den gleichen Punktwert erhält, sondern dass die zu erzielenden Punkte mit der Anzahl richtiger Antworten überproportional ansteigen.
    Der Zweitprüfer ist an das von dem Erstprüfer für die Bewertung einer Multiple-Choice-Klausur erstellte Schema nicht gebunden. Ein Verstoß hiergegen begründet einen Anspruch auf Neubewertung durch den Zweitprüfer.
    (Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 21.06.2016, 14 A 3066/15, juris)
     

  • Ist das Zwei-Prüfer-Prinzip vorgesehen, so hat dieses Prinzip wegen der strukturellen Besonderheiten des Multiple-Choice-Verfahrens zur Folge, dass sich alle an der Benotung beteiligten Prüfer an der vorverlagerten Prüfertätigkeit beteiligen müssen. Liegt eine derartige Beteiligung der Prüfer nicht vor, so ist dieser Verfahrensfehler nicht dadurch geheilt, dass Professoren ein weiteres Mal die Aufgabenstellungen der Klausur durchgesehen, die Auswahl der Fragen sowie die Festlegung der Bewertungsmaßstäbe einer erneuten selbstkritischen Überprüfung unterzogen und keine Beanstandungen erhoben haben.
    (VG Köln, Urteil vom 31.07.2014, 6 K 3175/13, juris)
     
  • Im Falle einer im Antwort-Wahl-Verfahren durchgeführten Prüfung, bei der das Zwei-Prüfer-Prinzip zur Anwendung kommt, erfordert auch die hierbei vorverlagerte Bewertung, ebenso wie die sonst übliche nachträgliche Bewertung einer Prüfungsleistung, nicht zwingend eine zeitgleiche Betrachtung durch die zwei zur Beurteilung berufenen Prüfer.
    (VG Berlin, Urteil vom 13.08.2012, 3 K 204.10, juris)
     
  • Beim Antwort-Wahl-Verfahren wird ein wesentlicher Teil der prüfungsrechtlich relevanten Entscheidungen oder sogar, wenn die Bewertung der einzelnen richtigen oder falschen Antworten vorgegeben ist, die gesamte Prüfertätigkeit auf die Fragestellung vorverlagert. Überdies ist auch bei Multiple-Choice-Prüfungen, deren Ergebnisse Auswirkungen auf die Freiheit der Berufswahl haben, zu beachten, dass das Prüfungsverfahren so gestaltet ist, dass es geeignet ist, Aussagen darüber zu gewinnen, welche berufsbezogenen Kenntnisse der Prüfling hat. Einem Bewertungsverfahren, bei dem fehlerfrei erbrachte Prüfungsleistungen als nicht oder schlecht erbracht gewertet werden, weil andere Prüfungsfragen nicht richtig beantwortet worden sind, fehlt diese Eignung.
    (VG Arnsberg, Urteil vom 17.04.2012, 9 K 399/11, juris)
     
  • Neben der Bewertung der fachlichen Richtigkeit der Antworten haben die Prüfer in der Steuerberaterprüfung etwa der Klarheit und der Systematik der Darstellung sowie der Vollständigkeit und Prägnanz der Begründung richtiger Lösungen wesentliches Gewicht beizumessen, so dass ein Multiple-Choice-Verfahren im Vergleich zu den üblichen Anforderungen an das Bearbeiten der Aufsichtsarbeiten gemäß § 16 Abs. 1 DVStB nicht lediglich eine Erleichterung, sondern eine gravierende inhaltliche Veränderung der Aufgabenstellung darstellt. Unter dem aus Art. 3 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 2 GG abzuleitenden Gesichtspunkt der Chancengleichheit erscheint es ausgeschlossen, dass in dem selben Prüfungstermin die Mehrzahl der Prüfungsteilnehmer Aufsichtsarbeiten nach dem herkömmlichen Muster zu bewältigen hat, hingegen - für einzelne Mitprüflinge - eine Prüfungserleichterung gemäß § 18 Abs. 3 Satz 1 DVStB das Ankreuzen vorgegebener Antworten erlaubte.
    (Finanzgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 16.02.2011, 12 K 12250/10, juris)
     
  • Enthalten studienbegleitende Leistungskontrollen im Medizinstudium bei Anwendung des Antwort-Wahl-Verfahrens fehlerhafte Prüfungsaufgaben, so kann die Prüfungsbehörde dies bei der Bewertung der Prüfung durch Eliminierung der fehlerhaft gestellten Fragen (und der darauf gegebenen Antworten) oder dadurch ausgleichen, dass unabhängig von der zutreffenden Beantwortung den Prüflingen die entsprechende Punktzahl für die fehlerhaft gestellten Fragen gutgeschrieben wird.
    (Oberverwaltungsgericht des Saarlandes, Beschluss vom 13.10.2010, 3 B 216/10, juris)
     
  • Die Durchführung der schriftlichen Überprüfung für die Erteilung einer Heilpraktikererlaubnis im Antwort-Wahl-Verfahren ("multiple choice") ist zulässig.
    (Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19.08.2009, 13 A 3785/05, juris)
     
  • Die nach der Ersten Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz erforderliche Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Heilpraktikererlaubnisbewerbers kann bei der schriftlichen Kenntnisprüfung in Form des Antwort-Wahl-Verfahrens nach landeseinheitlich geltenden und praktizierten Richtlinien erfolgen. Einer besonderen gesetzes- oder verordnungsrechtlichen Grundlage hierzu bedarf es nicht.Die Festlegung einer absoluten Bestehensgrenze im Antwort-Wahl-Verfahren (hier: 75 % von 60 Fragen) ist angesichts der Zielsetzung des Heilpraktikergesetzes und der dazu ergangenen Ersten Durchführungsverordnung unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Anzahl der Wiederholung an der Kenntnisüberprüfung nicht beschränkt ist, zulässig.
    (Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 26.10.2005, 9 S 2343/04, juris)