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September 2011
Donnerstag, 15. September 2011
Müssen Prüfungen wirklich alles können?
Ein Beitrag zur Diskussion von Andreas Stöhr (BIBB)
Nach dem BBiG soll mit Prüfungen die berufliche Handlungsfähigkeit festgestellt werden - die Prüflinge müssen nachweisen, dass sie über die erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um künftig in ihrem Beruf selbstständig arbeiten zu können.
Dabei müssen Prüfungen geradezu unglaubliches leisten: Sie sollen authentisch sein, also realitätsnah und auf den jeweils erlernten Beruf bezogen. Dann soll eine Prüfung noch objektiv, reliabel und valide sein und darüber hinaus auch noch zuverlässig zwischen guten und weniger guten Prüflingen unterscheiden, und - nicht zuletzt - möglichst nicht viel kosten. Prüfungen müssen einer ganzen Reihe von Ansprüchen genügen. Diese Ansprüche schließen sich zwar gegenseitig nicht unbedingt aus, behindern sich aber. Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob Prüfungen überhaupt allen diesen Anforderungen (gleichzeitig) gerecht werden können.
Müssen Prüfungen wirklich alles können?
(ein Beitrag zur Diskussion von Andreas Stöhr)
Andreas Stöhr befasst sich im Arbeitsbereich 4.1 des Bundesinstituts für Berufsbildung BIBB insbesondere mit der Evaluation von Neuordnungen und Entwicklung konzeptioneller Grundlagen für Evaluationen von Neuordnungen. Er ist Autor mehrerer Publikationen zu Prüfungsthemen und Mitglied der Redaktion des Prüferportals.
Ihre Meinung zu diesem Thema können Sie hier unterhalb dieses Artikels als Kommentar posten, oder direkt schicken an:
Andreas Stöhr (stoehr@bibb.de)
Kommentare:
Von: Dr. H.-P. Freytag
14.01.2012 - 21:28
Das Problem liegt in der - grundsätzlich natürlich berechtigten - Forderung nach "Realitätsnähe", denn die "Realität" sieht in den einzelnen Betrieben sehr unterschiedlich aus. Es kann sich also immer nur um eine "abstrahierte Realität" handeln. Dass eine Prüfung "zuverlässig zwischen guten und weniger guten Prüflingen unterscheiden" soll, ist allerdings keine zusätzliche Forderung, sondern Erfordernis von Objektivität, Reliabilität und Validität eingeschlossen. Das Problem ist, dass an Prüfungen Erwartungen gestellt werden, denen sie kaum gerecht werden können, wie z. B. Aussagen über die "Handlungsfähigkeit" oder eine Prognose zukünftiger Berufsbewährung.
Ich erlaube mir, hierzu auf meine Schrift "Prüfungen - ein Lotteriespiel?", erschienen im Feldhaus Verlag hinzuweisen, von der ich zu behaupten wage, dass sie die bisher umfangreichste Darstellung und Erörterung dieser Probleme ist.




